Donnerstag, 5. Mai 2016

30 Jahre Houdanzucht

Ein Erfahrungsbericht von Zuchtfreund Eduard Miebach
Ich möchte mit diesem Bericht keine Musterbeschreibung kopieren, sondern von meinen Zuchterfahrungen erzählen. Im Jahre 1956 bekam ich von S.V.-Mitglied Kasper Henneken aus Herne meine ersten 2,3 Houdan gescheckt; aber nur unter der Bedingung, dass ich Mitglied im SV der seltenen Hühnerrassen werde.

Mit Hilfe erfahrener Züchter des SV erreichte ich den jetzigen Stand meiner Zucht.

Zwischen den Houdan damals und heute besteht ein großer Unterschied.
Houdan, schwarz-weiß gescheckt, Tiere und Bilder von Magnus Erdtmann


Die Elterntiere meiner ersten 2,3 Houdan waren im 2 Jahr schon fast weiß, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Tiere der Jahre 1955 bis1960 waren durchweg als Jungtiere schon reichlich hell, sie hatten weniger Körpervolumen, meistens schlechte Zehentrennung und lose, teils sogar offene Hauben. Diese Kritik an meinen damaligen Tieren stammt nicht von mir, sondern von unserem Altmeister Heinrich Bruse. Er war in unserem Ortsverein über 10 Jahre lang als Preisrichter tätig und er hat dafür gesorgt dass ich damals die Freude an den Houdan nicht verloren habe. Im Jahre 1963 war ich dann nach meiner Meinung endlich so weit, meine Tiere außerhalb des Kreisverbandes zeigen zu können. Bei eisiger Kälte, aber mit großen Hoffnungen zog ich mit 7 gemeldeten Houdan zur 44. Nationalen nach Stuttgart. Am Tag nach der Bewertung war ich etwas enttäuscht, denn die Tiere der bekannten Züchter Hans Schierloh und Mamme Mammen waren höher bewertet, als meine. Die Bewertungskritik sagte aus, dass meine Tiere zwar in Haube, Farbe und Zehentrennung gefielen, jedoch durchweg zu leicht waren. Der Hahn von Schierloh, den ich zwei Jahre zuvor eingestellt hatte, brachte nicht den erhofften Erfolg. Ich muss hier noch erwähnen, dass meine Hähne damals recht gute Kämme hatten.

In meiner Zucht musste etwas geschehen, wenn ich erfolgreich konkurrieren wollte - aber was?

Auf der Heimfahrt von der 44. Nationalen kamen Zuchtfreund Bruse und ich zur Überzeugung, dass „Blutsauffrischung“ mit Lachshühnern wohl angebracht sei. Sofort im 1. Jahr nach der Einkreuzung einer Lachshenne hatte ich klotzige Formenhennen, die natürlich auch fleißig legten. Diese F1 -Hennen waren im 1. Jahr schwarz, hatten durchweg einen Schopf, nach hinten geteilten Kamm, vollen Bart und die typische Zehenbildung. Die anfangs noch bestrumpften Läufe treten bei F3-Tieren nur noch selten auf und wann, dann sind sie leicht zu putzen. Die Scheckung ist bei der, F3- Generation bei ca. 50% schon sehr gut, dagegen werden Haube und Kamm erst ab F5-6. Ordentlich. Bei der Züchtung habe ich selbstverständlich immer einen reinen 1,0 Houdan mit bestem Kamm und großer Haube eingesetzt.

Nach 7 Jahren zeigten sich die ersten Erfolgreichen aus der Einkreuzung

Ab 1970/71, also nach 7 Jahren zeigte ich die ersten Erfolgreichen aus der Einkreuzung. Nach 10 Jahren hatte ich dann vermutlich einmal beim Schlupf nicht aufgepasst, sodass ich versehentlich 1,0 aus der Kreuzung Houdan x Lachshuhn zur. Zucht einsetzte. Das gab ein erhebliches Durcheinander in meiner Zucht. Plötzlich hatte ich Tiere mit Stehkamm, ohne Bart, kaum Haubenbildung oder einseitig nur 4 Zehen und Hähne mit Messing auf den Schultern. So etwas ist sehr ärgerlich! Deshalb sollte man, wenn man Kreuzungen versucht, stets einen besonders reinrassigen Zuchtstamm getrennt halten- und sei es nur zur Erzielung von reinrassigen Zuchthähnen. .Nachdem die Einkreuzung mit lachsfarbigen Lachshühnern gut geklappt hat, habe ich 1970 dasselbe mit weißen Lachshühnern versucht, um die weißen Houdan erneut zu erzüchten. Mit der Einkreuzung von 1,0 Holländer Weißhauben weiß in die F2- Generation aus 1,0 Houdan gescheckt x Lachshuhn weiß kam ich dann relativ gut vorwärts. Auf der Niederrheinschau 1976 in Krefeld konnte ich mit hv Ehrenband auf 0,1 Houdan weiß erste Erfolge erzielen. Bedingt durch das Holländer-Blut fallen immer wieder Tiere mit dunklen Läufen, was zwar laut Standard erlaubt ist, aber ich ziehe Tiere mit hell- fleischfarbenen oder weißen Läufen vor. Der weiße Farbenschlag steht heute den gescheckten Houdan in nichts mehr nach. Leider gibt es aber zu wenig Züchter, die sich mit Ausdauer diesem Farbenschlag der Houdan widmen. Dies sind also meine eigenen Zuchterfahrungen, die ich bis heute mit den gescheckten und weißen Houdan gemacht habe. Nun möchte ich kurz den jetzigen Zuchtstand dieser Rasse beleuchten.

Der Zuchtstand der Houdan
Auf den heutigen Schauen erkennt man dass die Houdan in den letzten 30 Jahren enorm verbessert worden sind. Durchweg sind sie sowohl figürlich, als auch farblich in Ordnung. Auch Haube, Bart und Zehen sind bei den meisten Tieren ohne Tadel.

Houdan, schwarz-weiß gescheckt, gezeigt von Ingrid Spielberger, Nationale Bundessiegerschau 2015, Dortmund

Aber leider hat sich bei den Hähnen in den letzten 2-3 Jahren der Schmetterlingskamm zum Nachteil verändert. Diese groben Kämme mit reichlichen Verästelungen, aber auch die zu großen Kehllappen sollten dringend verbessert werden. Zweifellos ist das Vorhandensein von Kehllappen ein Zeichen von Vitalität, aber sie dürfen nicht so groß werden, dass sie den markanten Vollbart verdrängen. Ferner sieht man hin und wieder Junghähne, die farblich zu hell sind. Junghähne sollten vorwiegend schwarzes Gefieder haben und nur wenig Zeichnung aufweisen, um dann im 2 Jahr eine schöne Scheckung zu erreichen. Bei Bewertungen von Houdanhennen ist mir mehrmals die Kritik aufgefallen: „ Haube gleichmäßiger gezeichnet.“ Dazu muss ich sagen, dass es mir bis heute nicht gelungen ist bei den Hennen eine volle und gleichmäßige Haube zu erzüchten. Ende der 60er Jahre war die Verbesserung der Haubenzeichnung schon einmal Thema bei einer SV-Sommertagung. Ich habe bei gleichmäßig gezeichnerter Haube, noch nie die passende Haubengröße erreicht. Bei einer Vollhaube tritt im hinteren Haubenteil der Houdanhennen überwiegend weiß auf, gekoppelt mit Vollbart und schöner Scheckenzeichnung.

Houdan, schwarz-weiß gescheckt, gezeigt von Ingrid Spielberger, Nationale Bundessiegerschau 2015, Dortmund


Beim weißen Farbenschlag wird ein reinweißes Gefieder gewünscht. Beim Hahn kann das aber nach meiner Ansicht nicht verlangt werden; er zeigt in den Behängen und auf den Decken gelben Anflug. Bei den weißen Houdanhähnen wäre noch besserer Kamm und kleinere Kehllappen zu wünschen.

Erwähnen muss ich noch die Farbenschläge Blau und Perlgrau. Obwohl ich von ihnen in den Letzten Jahren auf Schauen kein Tier gesehen habe. Dagegen stellte Zuchtfreund Mammen einige Jahre lang gesperberte Houdan vor. Sie konnten nicht anerkannt werden, weil nach dem Tod des Zuchtfreundes Mammen kein anderer Züchter das Erbgut in die Hände genommen hat. Mir ist nicht bekannt, ob sich gegenwärtig jemand mit der Zucht eines dieser Farbenschläge der Houdan befasst.

Aufgrund jahrelanger Zuchterfahrung kann ich die Houdan nur empfehlen. Obwohl ihre Zucht- wie schon beschrieben nicht immer ganz einfach ist.

Solche, bzw. ähnliche Berichte wollen wir von euch Züchtern gerne veröffentlichen. Was hält Euch davon ab, gleichfalls über eure Zuchterfahrungen zu berichten? Greift zum Schreibzeug und sendet eure Beiträge an uns.


Diesen hervorragenden, höchst interessanten Beitrag verfasste Zuchtfreund Eduard Miebach. Seit 1985 dabei teilt er Erfahrungen mit, aus denen andere Züchter auch bei anderen Rassen Nutzen ziehen können.

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