Mittwoch, 13. April 2016

Vorsicht bei Einkreuzungsprojekten

Grundsätze & Tipps zur erfolgreichen Zuchtverbesserung
Die meisten unserer Hühnerrassen und Farbenschläge verdanken ihre Entstehung einer Kreuzung. Eine Rasse kann aber auch -insbesondere wenn sie selten ist- infolge einer unpassenden Einkreuzung gar leicht zugrunde gehen!

Fremdeinkreuzungen sind grundsätzlich nicht als Mittel erster Wahl anzusehen, wenngleich sie in einigen Fällen sicherlich sinnvoll sein können. Es empfiehlt sich bei Fremdeinkreuzungen sehr überlegt und langfristig vorzugehen.



„Ich versuche hier, all das, was Zuchtfreund Eduard Miebach in seinem Beitrag über seine Houdanzucht mitgeteilt hat, nachfolgend in zu beachtende Grundsätze zusammen zu fassen. Diese Ausführung erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann verantwortungsbewussten Zuchtfreunden jedoch sicherlich eine Hilfestellung bieten Fehler zu vermeiden“ (Jürgen Käs)

Gedanken und wichtige empfehlenswerte Grundsätze zum Thema Einkreuzen


1. Entscheidung für ein Einkreuzungsprojekt überdenken
Einkreuzungen sollten nur vorgenommen werden, wenn sie unumgänglich sind. Der Züchter trägt hier eine große Verantwortung für die authentische Erhaltung seiner Geflügelrasse und die Sicherung ihrer Rassereinheit.

2. Die richtige Auswahl der einzukreuzenden Rasse treffen
Es empfiehlt sich bei Fremdeinkreuzungen in gleicher Rassegruppe zu bleiben, bzw. auf eng verwandte Rassen zurückzugreifen. Der Rassetyp und Kernmerkmale werden so eher gewahrt und Erfolge stellen sich dann meist auch früher und nachhaltiger ein. Es sind hier nicht nur nicht nur die einzelnen Aspekte des äußeren Erscheinungsbildes zu betrachten, sondern auch mögliche Problemstellungen des Genotyps etc.

3. Reinrassige Reserven halten

Einkreuzungsprojekte bringen nicht immer erhoffte Resultate. Es ist wichtig reinrassige Tiere strikt zu trennen, um entsprechende Reserven zu halten. Dies gilt für die Zusammenstellung der Zuchtstämme genauso wie für die unmissverständliche Küken- und Jungtierkennzeichnung. Darüber hinaus ist es auch eine Möglichkeit einige seiner besten reinrassigen Tiere einem Züchterkameraden zu geben, mit der Gewissheit, dass man jederzeit darauf zurückgreifen kann. Bei seltenen Rassen sind reinrassige Reserven von besonderer Bedeutung.

4. Leistungsfähigkeit der Rasse erhalten

Es ist wichtig nur lebenstüchtige Tiere einer vitalen Rasse einkreuzen. Ideal ist es, wenn diese aus einem guten Legestamm (Zuchtbuch-Stamm) mit Leistungsnachweis stammen.

5. Gesunde Tiere für die Zucht einsetzen
Mehr noch als bei einem Zuchtvorhaben innerhalb einer Rasse ist bei Fremdeinkreuzungen auf die Gesundheit der Zuchttiere zu achten, die man einsetzen möchte. Der Herkunftsstamm der einzukreuzenden Tiere muss frei von Seuchen (z.B. Pullorum, Marek'sche Lähme etc.) sein.

6. Keine fehlerbehafteten Tiere einsetzen
Es ist unbedingt zu vermeiden Tiere mit eklatanten Fehlern für das Einkreuzungsprojekt einzusetzen. Zu solchen Zuchtausschlusskriterien zählen geringe Lebenskraft, fehlende Vitalität genauso wie anatomische Veränderungen (Deformation von Knochen oder Federn, fehlendem Zehenglied) sowie Rasse untypische Merkmale oder Abweichungen wie beispielsweise zweierlei Augenfarbe o.ä..

7. Mehr als das Erscheinungsbild in die Überlegungen einbeziehen
Will man etwa Nichtbrüter, dann sollte darauf geachtet werden, dass das einzukreuzende Tier aus einem Nichtbrüterstamm kommt, denn die Neigung zum Brüten kann erblich sein.

8. Seriös und offen agieren
Ein seriöser Züchter sollte niemals Nachzucht abgeben, ehe die Einkreuzung einwandfrei geklappt hat und keine Ausfälle mehr auftreten. Der Käufer ist offen von der Einkreuzung zu unterrichten. Dies dient zum Einen dem Verkäufer als Schutz um nicht als Betrüger betitelt zu werden und zum Anderen dem Käufer, der für sein züchterisches Arbeiten wichtige Informationen erhält.

9. Ausdauer und Geduld führen zum Ziel
Für ein erfolgreiches Einkreuzungsprojekt sind Ausdauer und Geduld erforderlich –und das nicht selten über viele Jahre hinweg. Nur im Glücks-/ Ausnahmefall klappt eine Einkreuzung nach Wunsch schon in wenigen Jahren.

Fremdeinkreuzungen können konsequent durchgeführt ein Mittel zur Zuchtverbesserung sein. Wer über ein Einkreuzungsprojekt nachdenkt sollte sich jedoch zunächst vor allem immer die Frage stellen, ob es notwendig ist, ob man auch die Geduld mitbringt und den Platz hat, konsequente Schritte zu wirklicher Rasseverbesserung bis zum Ziel zu gehen. Halbherzige Vorgehensweisen schaden oft mehr als sie nutzen. 

Ein Beitrag mit freundlicher Unterstützung von Jürgen Käs

Lesen Sie hier in Fortsetzung dieses Themas demnächst einen ausführlichen Erfahrungsbericht zu 30 Jahre Houdan-Zucht...

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