Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mohrenköpfe in der Versteigerung

Einmalige Gelegenheit für eine gute Sache
Zur deutschen Junggeflügelschau in Hannover vom 20.-22.10.17 wird bei der VHGW-Versteigerung zu Gunsten der Kinderkrebshilfe ein Stamm Eulenbarthühner in der extravaganten Farbe Mohrenkopf weiß versteigert. Für den guten Zweck stellt der führende Züchter dieser seltenen Raritäten Gerold Kellermann Spitzentiere zur Verfügung.
 
Hier kann jeder Interessent gerne mitbieten. Für eine wirklich gute Sache sowie zur Artverbreitung einer alten Rarität.

Lassen Sie sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen.
VHGW-Verteigerung zur Junggeflügelschau Hannover 
am Sonntag, den 22.10.2017,
ca. um 11:00 Uhr

Aufgeräumt mit den Mythen

Die extravagante Mohrenkopfzeichnung in der Zucht
Es gibt wohl kaum einen Züchter, der sich so lange und intensiv mit der Zucht der Eulenbarthühner mit Mohrenkopfzeichnung beschäftigt hat wie Gerold Kellermann. In seinem Beitrag zur Zucht dieser ausgesprochenen Raritäten lässt er uns teilhaben an den Erfahrungen und den wertvollen Erkenntnissen die er bisher sammeln konnte.

Spitzenzüchter und Rassegruppenobmann für Eulenbarthühner Gerold Kellermann
Die im 15. Jahrhundert erstmals erwähnten Eulenbarthühner blicken auf ein langes Hühnerleben zurück. Auf die, bei dieser Rasse einzigartige Farbgebung der extravaganten Mohrenkopfzeichnung, möchte ich hier näher eingehen. Im Speziellen die weißen Mohrenköpfe. Aktuell sind die Farbenschläge Mohrenkopf weiß, goldbraun und blau anerkannt. Die, im Mutterland Holland, in Arbeit befindliche Variante der Mohrenköpfe in zitron, gibt es auch schon bei uns. Viele Mythen über die sicher nicht einfache Vererbung halten sich bis heute und sind -man kann es kaum glauben- bis zum jetzigen Zeitpunkt noch fest im gültigen Rassestandard verankert. Der Passus „können auf Dauer nicht reingezogen werden“, muss nach meiner Zuchterfahrung ersatzlos aus dem Standard gestrichen werden.  

Durch die lange Zuchterfahrung meinerseits mit den Möhrenköpfen in goldbraun seit 1994 sowie weiß ab 2010, hat sich die Zucht mit den besten Zeichnungstieren als die zuverlässigste Verpaarungsvariante herausgestellt.

Wie sagte schon unser leider viel zu früh verstorbene Fritz Schöne in Bezug auf die blaue Farbe der Hühner: „Die besten Blauen fallen aus reinen Blauen.“ Diesen Grundsatz kann ich nur unterstreichen und in Bezug auf die Mohrenköpfe jedem Züchter raten, sich auf keine Glücksspiele in der Zucht einzulassen. Die Idee einer Ausgleichsverpaarung mit dunklem, überzeichneten Hahn sowie aufgehellten, fast weißen Hennen, oder die Gegenvariante mit Hahn hell und Henne dunkel, führt über die Jahre gesehen nie zum Ziel, auch wenn dieses Vererbungsschema in einschlägigen Fachbüchern als das Allheilmittel angepriesen wird. Vielmehr ist mit dieser Zuchtmethode ein Scheitern vorprogrammiert, was nur zu oft auch eine Zuchtaufgabe nach sich zieht. Damit tut man niemanden einen Gefallen, schon gar nicht den Tieren selbst. Mit ihrem kecken und zutraulichen Wesen, gepaart mit viel Vitalität, hätten sie trotz der engen Zuchtlinien, eine viel größere Verbreitung verdient. Das Potenzial haben sie allemal. Ein Traum für jeden Züchter ist sicher ein rassiger Stamm Mohrenköpfe. Ihn zu besitzen bedeutet schon ein großes Privileg dieser einzigartigen Zeichnungsspezies.

Die Zuchtzusammenstellung
Nun aber genug der Werbung, jetzt geht es zum harten Alltagsgeschäft. Im Speziellen zur Zuchtzusammenstellung. Jeder ernsthafte Züchter, der sich für solche Exklusivitäten entscheidet, braucht ein dickes Fell und Durchhaltevermögen. Ohne diese Eigenschaften wird es garantiert keine lange Liaison. Ein etwas größerer Stall für den Nachwuchs sollte bereitstehen. So um die 50 Jungtiere müssen es schon sein, um auch einige Ausstellungstiere zu erzielen. Nach oben natürlich keine Grenzen. Danach kann bei entsprechender Fachkenntnis relativ zügig sortiert werden. Anhand der Färbung des Flaumgefieders sortiere ich, ganz entgegen anderslautender Meinungen, schon in etwa die Hälfte der Jungtiere in den ersten Lebenstagen.

Die drei Varianten der Mohrenkopfküken. Links zu hell, mittig zu dunkel, rechts ein passendes Tier
Alle infragekommenden Farbnuancen. Diese Tiere sollten behalten werden, da sie potentielle Ausstellungstiere werden könnten
Bei der Abgabe solcher „Sortierten“ bekomme ich immer wieder positive Rückmeldungen, was den Wuchs bzw. Legeleistungen betrifft. Bei ca. 50 Jungtieren muss auch niemand um eine Überbevölkerung besorgt sein. Es bleiben bei dieser Stückzahl bestimmt keine 10 Tiere für die Schausaison übrig. 3-5 ordentliche Tiere sind durchaus im Rahmen des Möglichen. Die Feinheit und Rassigkeit kristallisiert sich, wie bei anderen Farbschlägen, erst nach der letzten Mauser wieder. Was in die Ausstellungskäfige oder später in der Zucht eingesetzt wird, sollte schon dem Namensgebenden dunklen/schwarzen Kopf vorweisen. Graue, blaue oder nur schemenhafte Kopfzeichnungen sind hier auszuschließen. Alle hier aufgeführten Forderungen sind in erster Linie auf die Hennen bezogen.

Von links: erstes und zweites Tier etwas hell in der Kopffarbe. Tier drei und vier mit mustergültiger Kopfzeichnung

Drittes Tier von links mit reichlich Überzeichnung im Mantelgefieder

Das Farbschema der Hähne ist etwas anders gelagert. 
Wird bei den Hennen der Kopf mit dem Federwechsel dunkler, geht es im Hahnengefieder gerade in die andere Richtung. Junghähne mit teils satter Kopf-, Bart- und Oberhalsfarbe, hellen nach dem letzten Federwechsel meist deutlich auf. Bleibt ein graumelierter Bart, ist es für mich immer noch ein sg-Tier. Für die Zucht ist eine intensive Jungtierzeichnung von großen Wert. Kein Zuchthahn, ganz gleich wie sich die letzte Feder zeigt, findet ohne satte Kopfzeichnung im Junggefiederstadium Einlass im Zuchtstamm. Selbstverständlich gibt es auch die Ausnahmen. Aber, um es vorweg zu nehmen, diese sind sehr dünn gesät. Wenige behalten nach dem Federwechsel nahezu ihre Farbintensität und sind natürlich in der Zucht vorzuziehen. Im Übrigen ist gerade bei der Mohrenkopfzeichnung der Hahn das Zünglein an der Waage. Ein guter Vererber ist nicht leicht zu finden. Diesbezüglich sollte möglichst ein zweiter Hahn in der Zucht eingesetzt werden. Ich handhabe es folgendermaßen: In der ersten Brutrunde wird ein erprobter Althahn eingestellt. Im zweiten Brutdurchgang ein, nach dem Phänotyp, aussichtsreicher Junghahn verwendet. Den Genotyp können wir leider erst bei der Nachzucht feststellen. Außerdem halte ich bis zu vier Jahren an einem guten Merkmalsüberträger fest. Hier gilt das alte Sprichwort: „Es kommt selten was Besseres nach.“ Muss nach ein paar Jahren mal Fremdblut zugeführt werden, geschieht es in Form eines unterzeichneten silber-schwarz getupften Hahnes. Die Ansprüche sind möglichst wenig Tupfen, aber ein dunkler Kopf. Auch der längere und aufwendigere Weg über die Zuhilfenahme der Lakenfelder ist möglich. Drei Jahre sind einzurechnen bis wieder Ausstellungstiere anfallen. Bei dieser Farbvariante ist auch von dem bei vielen praktizierten jährlichen Hahnenwechsel abzuraten. Bis zu drei Jahre kann und muss hier in enger Verwandtschaftszucht gearbeitet werden. Sowohl beim Hahn, als auch mit den Hennen. Wichtig ist -und dies zeigt sich immer wieder- ein guter Wuchs primär beim Zuchthahn. Küken, die sich nur schleppend entwickeln, müssen sofort selektiert werden. Oft schließen sie in der Endgröße wieder auf oder werden sogar noch gute Ausstellungstiere. Sich von solchen Tieren blenden zu lassen, würde eine Mohrenkopfzucht in kürzester Zeit seiner Vitalität rauben. Generell ist eine 1,1 Verpaarung die beste und genaueste Zuchtmethode. Gerade bei den Mohrenköpfen kann so zügig ein/e schlechte/r Vererber/in ermittelt werden. Bei den Mohrenköpfen gibt es vor allem in den holländischen Linien immer wieder Hähne, die hennenfiedrig erscheinen. Sie haben nahezu keine Besichelung, sondern nur Steuerfedern wie die Hennen. Diese Tiere behalten ihre intensiven Köpfe, weshalb sie zur Zucht immer wieder Einlass bieten. Eulenbarthühner hennenfiedrig sind nicht zugelassen und werden im Schaukäfig herabgestuft. Ich hatte in meiner Zucht über die Jahre allerdings noch kein Tier mit diesem Merkmal. Da Mohrenköpfe aber nicht nur auf die Namensgebenden Kopfpunkte reduziert werden sollten, spielt das Mantelgefieder, das quasi als Kontrastprogramm dient, eine entscheidende Rolle. Möglichst rein im weiß bringt das Farbspiel zwischen hell und dunkel die Tiere erst richtig zur Geltung. Oft neigen vor allem die Hähne dazu, in der letzten Feder einen mehr oder weniger gelben Anflug auszubilden. Bis zu einem gewissen Grad sollte er toleriert werden. Eine maisfreie Fütterung, ein gut beschatteter Auslauf und eine ständige Selektion auf dieses Merkmal, ist für diese Farbvariante unerlässlich. Etwas schwarze bis graue Einlagerungen am Federende sind vor allem für die Zucht eine nicht zu unterschätzende Farbreserve. Gerade im oberen Brustbereich ist der Übergang vom dunklen Kopf zum hellen Bauch mit mehr oder weniger saumartiger bis halbmondförmiger Endzeichnung zu tolerieren. Tiere mit schwarzen Köpfen und reinweißen Mantelgefieder findet man auf diversen Zeichnungen wieder. In der Zucht ist diese klare und harte Trennung der Farben aber nicht umsetzbar. Das beste Beispiel sind die Zeichnungsvarianten in der Nachzucht.


Von links: Silber schwarz getupft, überzeichneter Mohrenkopf, zu wenig Kopfzeichnung, Weißling

Die fast weißen Tiere haben keine schwarzen Köpfe mehr. Überzeichnete, ja fast zu silber-schwarz getupft neigende, zeigen die intensivsten Köpfe. Sollte ein Hahn eine dunkle Steuerfeder oder auch Sichel vorweisen, ist das nicht verwerflich. Gerade was die Bewertung anbetrifft, sollte mit viel Fingerspitzengefühl an die Tiere herangegangen werden. Außer einiger weniger Sonderrichter bekommen sie die meisten Preisrichter vielleicht, wenn überhaupt nur einmal im Leben in ihre Hände.

Ein Beitrag von Gerold Kellermann

Dienstag, 26. September 2017

Aufschwung für Paduaner in tollbunt?

Ansprechender Farbenschlag und seine Entstehung
Paduaner in tollbunt erfreuen sich derzeit wachsender Beliebtheit. Der Farbenschlag zeigt ein ganz eigenes dynamisches Farbspiel, das den Betrachter zumeist unmittelbar fasziniert. 

Paduaner werden bereits seit über 500 Jahren in Deutschland gezüchtet. Im Vergleich zu ursprünglichen Farbschlägen (Weißhauben, goldlack und silberlack) die bereits Ende des 18 Jahrhunderts von Bechtstein beschrieben wurden, ist der Farbschlag „Tollbunt“ noch recht jung.

Vor ca. 45 Jahren tauchten die Ursprungstiere dieser Farbvariante in der Zucht von W. Schilling in Greiz (Thüringen) auf. Sie entstanden aus einer Zufallspaarung mit Scheckungsfaktor, Sperberfaktor und kastanienbrauner Grundfarbe – sehr wahrscheinlich aus gesperberten und chamois-weiß-gesäumten Paduanern.

Die Tiere hatten fleischfarbige Läufe vom gesperberten Elternteil und zeigten die gelbbraune Grundfarbe des chamois-weiß-gesäumten Elterntieres. Die weiße Zeichnung wurde dazu durch den Sperberfaktor aufgelöst.
Durch die Dominanz der beiden Zeichnungsfaktoren brachte eine Verpaarung dieser Tiere untereinander gleich aussehende Nachzuchten hervor. Diese ähnelten den Ruhlaer-Zwerghühnern in tollbunt, die es einmal gab, weshalb man sich für die Namensgebung „Tollbunt“ entschied.

Der Farbenschlag Tollbunt wurde für die Paduaner 1979 mit einer Musterbeschreibung versehen: Das Farbbild soll zu 50% hellrotbraun bis dunkelockerfarbig, zu 25 % schwarz und zu 25% weiß zeigen. Die Dreifarbigkeit soll sich möglichst gleichmäßig über das ganze Körpergefieder verteilen.




Farbschlag mit Herausforderungen
Obwohl der Erzüchter auf der 1. Kleintier-Siegerschau in Leipzig ein Siegertier in diesem Farbenschlag zeigte, kommentierte Frank Peschke 1984 in seinem Schaubericht in der Fachzeitschrift Garten und Kleintierzucht die gezeigten Tiere der Ausstellung mit der Anmerkung: „Recht große Probleme macht noch der junge Farbenschlag Tollbunt. Die Tiere sollen eine kastanienbraune Grundfarbe mit unregelmäßiger Maserung und weißen Spritzern aufweisen. Die zuletzt gezeigten Tiere waren aber meistens schon zu hell und es geht somit das schöne Zeichnungsbild verloren.“

Durch den dominanten Sperberfaktor und die Säumung nahm das „Weiß“ im Farbbild immer mehr zu. Um der zunehmenden Aufhellung entgegenzuwirken und das schöne Zeichnungsbild zu erhalten kreuzte man goldschwarz-gesäumte Paduaner ein. Von diesem Moment an ließ sich das schwarz des Saumes nicht mehr wie ursprünglich gedacht verdrängen. Zu dieser Zeit war kaum noch Nachfrage nach den tollbunten Paduanern vorhanden. Es fehlten ernsthafte Züchter um den Farbschlag weiter zu verbreiten. Erst mit der Grenzöffnung gewann der Farbschlag wieder Aufwind. Der Durchbruch kam jedoch erst im Jahr 2000 auf der VHGW- Schau in Sinsheim bzw. Nürnberg. Mit dem V- Hahn von Gerold Kellermann, der damals die Titelblätter der Fachzeitungen zierte, nahm die Verbreitung nochmals zu.

Derzeit ist ein richtiger „Hype“ auf die tollbunten Paduaner zu verzeichnen. Eine sehr erfreuliche Tendenz, die jedoch auch nicht zu unterschätzende Herausforderungen mit sich bringt.

Durch die charakteristische „tollbunte Varianz“ im Farbbild, die ist ein unerfahrener Züchter allzu leicht verführt es als unerheblich anzusehen, wie die Farbverteilungen gesetzt sind. Die Merkmalsbeschreibungen des Standards sollten unbedingt Beachtung finden, um Paduaner in dieser schönen Farbvariante zu erhalten und qualitativ weiter zu verbreiten.

Leider wurde vielfach die Standard-Beschreibung aus den Augen verloren. Heute sind die Tiere teilweise goldschwarz getupft, zeigen Halbsaum mit weißen Einlagerungen, aufgehellte Schnabel- und Lauffarbe. Die Kombination der erforderlichen Merkmalsanlagen lässt eine einfache, kontinuierliche Zucht kaum zu und es gibt nur wenige Experten, die es verstehen die Erbfaktoren so zu kombinieren dass dieses seltene Farbbild entsteht.

Schaut man in den Standard, so muss man feststellen, dass die Beschreibung der Farbe tollbunt und die teilweise gezeigten Tiere nicht unterschiedlicher sein könnten.

Standardbeschreibung Tollbunt
Hahn und Henne fast gleichgefärbt. Die Gefiederfarbe ist auf 50 Prozent hellrotbraun bis dunkelockerfarbig und zu je 25 Prozent schwarz und weiß auf den Federn unregelmäßig gezeichnet (gemasert) und über den ganzen Körper gleichmäßig verteilt. Haube, Schwingen und Schwanz zeigen mehr Weißanteil. Einzelne rein weiße Handschwingen gestattet. Untergefieder graubraun. Lauffarbe fleischfarbig bis blaugrau, bei Fleischfarbigen einzelne dunkle Schuppen gestattet, bei Blaugrauen helle Sohle. Augen rotbraun.

Grobe Fehler im Farbschlag:
Rein weiße Federn im Körpergefieder; breite, schwarze Rundumsäumung


Mit ihrem ganz eigenen Farbspiel wirken tollbunte Paduaner auf den Besucher einer Ausstellung recht anziehend. Dies lässt hoffen: Wenn sich aus einigen der tollbunten Liebhaber ernsthafte Züchter entwickeln, sollte einer größeren qualitativen Verbreitung dieses ansprechenden Farbschlags nichts mehr im Wege stehen.


Ein Beitrag von Jürgen Käs.
Bilder von Johannes Schillung und Andrea Höh


Donnerstag, 18. Mai 2017

Zuchterfahrungen in Farbe

Hinweise zur qualitativen Zuchtsteuerung
Basierend auf seinen Beobachtungen und Zuchterfahrungen erläutert Erich Arnold uns in diesem Beitrag Abhängigkeiten der Farbausprägungen und liefert nützliche Anregungen für züchterische Verbesserungen von großen Paduanern.

Im Beitrag von Jürgen Käs hat dieser schon die gesäumten Paduaner und die Auswirkung der Verpaarung dieser Farben untereinander schon angeschnitten. Da die Paduaner nicht allzu häufig vorkommen und die blutsfremden Linien nicht mehr sehr üppig verfügbar sind, sollte die nächste Blutauffrischung wohlüberlegt sein! Am Besten eignet sich natürlich ein passendes Tier derselben Farbe aus einer fremden Zuchtlinie, welches jedoch leider nicht immer verfügbar ist.

Bild von Johannes Schilling


Zunächst zu den gesäumten Farbschlägen Silber-schwarzgesäumt (SSG) und Gold-schwarzgesäumt (GSG): Beide Farben gibt es z.B. auch bei den Sebrights und bei den Wyandotten. Alle drei Rassen werden im Detail jedoch etwas anders gezüchtet: die Sebrights mit Columbiafaktor (im Hals ist um den schwarzen Saum noch ein weißer bzw. silberner Saum und der Schwanz zeigt klare schwarze Säumung um die weiße oder goldene Innenfeder), die Wyandotten haben ebenfalls die Columbia Halszeichnung -aber einen schwarzen Schwanz und die Paduaner sollen im Hals keine Columbiazeichnung aufweisen und im Idealfall ein gesäumtes Schwanzgefieder haben.

Nach mehr als 8 Jahren in denen ich mich mit den silbernen Paduanern beschäftige, möchte ich anmerken, dass die Hähne mit dunklem Schwanzgefieder sowie mit erkennbarer Säumung schöne gesäumte Hennen in der Nachzucht ergeben, helle gesäumte Hähne dies hingegen in der Nachzucht nicht in dem Maße bringen.

Zur Blutauffrischung gibt es mehrere Möglichkeiten. Der verstorbene F. Peschke hat die F1 aus weiß und schwarz zur Verpaarung an SSG zur Schaffung einer neuen Linie propagiert. Ich habe von der Züchterin R. Simmerl eine F1 Henne aus 1,0 weiß x 0,1 SSG erhalten welche fast schwarz erschien, jedoch eine erkennbarer Geisterzeichnung zeigte. Sowohl unter weiß als auch schwarz kann verdeckt etliches an genetischen Farbanlagen stecken. Daher sollte die Blutauffrischung immer separat und nachvollziehbar erfolgen!

Es gibt auch noch ein paar Möglichkeiten über Fremdeinkreuzungen, diese muss ich aber erst selber testen um das Gehörte und Gesagte aus vergangenen Tagen bestätigen zu können.

Die Einkreuzung von GSG in die silbernen ist wegen des goldenen Anfluges im Hals und Sattelgefieder mit Bedacht durchzuführen und ich würde nur die Hennen daraus über Generationen an SSG Hähne verpaaren.

Bilder von Johannes Schilling


Bei den gold-gesäumten ist schwarz die Wahl. In der Nachzucht wird der Saum dadurch breiter und der Schwanz schwarz. ... inwieweit Chamois als Blutauffrischung verwendet werden kann -was möglich ist- habe ich bisher nicht ausprobiert. Mit großer Vorsicht -besser wäre überhaupt nicht- sollten Tiere in GSG, welche aus Tollbunt fallen für GSG verwendet werden!!!

Nun zu Chamois oder gold-weißgesäumt: Wenn die Grundfarbe zu hell wird sollte man diese über GSG wieder auffrischen. Anzumerken ist das das dominante Weiß der Chamois Paduaner das Gold der GSG aufhellt - ob der Umkehreffekt auch eintritt?

Bild von Johannes Schilling

Der letzte gesäumte Farbschlag wäre der blaue. Blaue Nachzucht spaltet durch den Einfluss des sog. Andalusier Weiß auf in Blau, Schwarz und Splash. Die Schwierigkeiten die ich in blau sehe ist nicht unbedingt das aufspalten der Farbe in der Nachzucht sondern das breite Farbspektrum von fast weiß in der Sonne bis zu fast schwarz. Hier gilt es den richtigen gleichmäßigen Farbton auszuwählen. Als Randnotiz möchte ich erwähnen, dass Paduaner sowohl Blau ohne Säumung als auch mit Säumung genetisch in sich tragen. Schwierig wird es, da blaue ohne das Säumungsgen auch einen leichten "Scheinsaum" zeigen können. Zur Blauzucht gibt es viele wilde Theorien. Führende Züchter blauer Rassen wenden aber weitestgehend Blau x Blau an und alle paar Jahre (3-5) zur Blutauffrischung einen aus reinerbiger Linie stammenden schwarzen Hahn!

Bei den schwarzen Paduanern gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, welche ich allerdings nicht ausprobiert habe, da ich schwarz eigentlich nur zur Blutauffrischung meiner anderen Farben benötige bzw. zur Verbesserung der gesperberten. Theoretisch eignet sich weiß, gesperbert und SSG zur Blutauffrischung. F. Peschke schrieb, dass er zur Blutauffrischung Hähne mit Kupfer oder Gold Hals -die aus Schwarz fallen sollen- verwendet. Erfahrene Züchter berichten aber auch von "Fremdeinkreuzungen, die hier zielführender sein sollen..."

Der gesperberte Farbschlag ist der neueste bei mir. Wobei ich aber die gesperberten Altsteirer seit Jahren züchte und daher darauf zurückgreife.

Bild von Johannes Schilling


Gesperberte Paduaner: der reinerbige Hahn trägt das Sperbergen doppelt, wodurch er wesentlich heller ist, als die lediglich einfach gesperberte Henne, die dazu relativ dunkel wirken. Zur Zucht verwende ich einen doppelt gesperberten hellen Hahn und eine gesperberte Henne (aus weiß x gesperbert) und eine schwarze Henne. Schwarz ist die optimale Farbe um bei gesperbert als Blutauffrischung zu dienen und gleichzeitig das Farbbild der Sperberung zu verbessern. 1,0 reinerbiger gesperberter Hahn mal schwarzer Henne ergibt lauter gesperberte Hennen und ebenfalls lauter gesperberte dunkle Hähne welche aber das Sperbergen nur einmal tragen und daher "Hennenfarbig" sind. Diese spalterbigen Hähne sollten theoretisch für schwarz geeignet sein. Es ist jedoch Vorsicht geboten da mit dem Sperbergen oft das Gen für Silber einhergeht. Das äußert sich in der Nachzucht bei schwarz dann nur mit ganz wenigen weißen/silbernen Federn im Kopfbereich und tritt dann erst verstärkt in der schwarzen F2 zu Tage. Mit einem schwarzen Hahn x gesperberte Henne kann ich auch auffrischen was aber mehr Zeit beansprucht.

Zu weiß gibt es in einem anderen Beitrag schon Diskussion. Weiß ist eine komplizierte Farbe, vieles kann verdeckt unter weiß vorhanden sein und es gibt in genetischer Hinsicht verschiedene Arten von Weiß. Ob dominantes oder rezessives Weiß oder beide in einem Tier stecken zeigt unter Umständen eine Probeverpaarung an wildbraune Tiere einer Fremdrasse. Neuere genetische Forschungen sagen aber auch, dass es noch eine weitere genetische Variante von rezessivem weiß gibt und auch Albinos sind weiß. Weiß benötigt Helfer um wirklich weiß zu sein. Die Gene für Silber, Sperberung und schwarz wirken hier oft Wunder.

Bild von Johannes Schilling

Tollbunt ist zur Zeit ja groß in Mode bei den "Züchtern", Liebhabern und Vermehrern. Meiner Einschätzung nach ist das aufgrund seines Farbbildes der schwierigste Farbschlag. Auf diesen Farbschlag möchte ich mangels Erfahrung nicht eingehen, weiß jedoch das sich jemand mit einem Beitrag zu Tollbunt bereits zur Veröffentlichung befasst.

Der Perlgraue Farbschlag wurde meines Wissens nach schon seit langem nicht mehr gezeigt. Perlgraue waren häufig zu helle blaue, wobei perlgrau das genetisch LAV (Lavender) ist durchaus im Verborgenen unter schwarz bzw. weiß noch existieren kann.

Ein Beitrag von Erich Arnold

Sonntag, 9. April 2017

Auf Spurensuche in der Geschichte

Abschied von alten Herkunftstheorien und Geschichtsparadigmen?
Um den Ursprung der Paduaner Hühner, bzw. ihrer Ahnen, gibt es viele wilde Spekulationen und Mutmaßungen, jedoch nur wenig wirklich fundierte Fakten. Was mit Sicherheit auch zu manchen Unklarheiten beigetragen hat, sind die unterschiedlichen Namen der Paduaner und ihrer Vorfahren, die erst auf dem dt. Geflügelkongress 1869 in Dresden beseitigt wurden.


Bis dahin gab es lokale Bezeichnungen wie das Hamburger Prachthuhn und das Polnische Prachthuhn, in Italien nannte man die Hühner Paduaner (Padovana) und in Holland war es das Nederlandse Baardkuifhoenders, auch von einem Hamburger Schleierhuhn wird berichtet. Erschwerend kam hinzu, dass vor dem o.g. Geflügelkongress die Übergänge von verschiedenen Haubenhuhnrassen recht fliesend waren und so nicht immer zweifelsfrei klar ist, von welcher Rasse in der Vergangenheit geschrieben wurde. Brabanter und Paduaner wurden beispielsweise oft nicht unterschieden. In der GB 21/2010 konnte man lesen „Paduaner sind uralt“ und dass sie eine „Unklare Geschichte“ besitzen. Aber dann führt die Autorin weiter auf, dass die Paduaner von russischen Haubenhühnern abstammen..

Hühner in Ornithologiae Libri XIV. – De Gallinis Pataunis
 In der GZ hat sich z.B. der verstorbene F. Peschke auf Recherchen, von S. Roskowski aus Warschau bezogen, wonach Paduaner „vor mindestens 500 Jahren im damaligen Russland u. Polen“ mit dieser Mutation der Protuberanz (Schädelaufwölbung) in Erscheinung traten (GZ19/2010). Das Pawlowskaja Huhn, das selbst um 1895 schon als verschollen galt, sieht den Paduanern recht ähnlich. In den alten Büchern herrscht Unklarheit ob das Palowskajahuhn aus der Türkei vom Sultan Huhn oder aus einer Vermischung des Bucharahuhns mit dem sibirischen Federfüßigen Huhn entstanden ist. In den letzten Jahren wurde das Pawloskaja Huhn in Rußland wieder rückgezüchtet.

Viele andere gehen auch von einer Herkunft aus Osteuropa aus, woran Ulisse Aldrovandi (ital. Arzt und Naturforscher 1522-1605) nicht ganz unschuldig ist. In seinem Werk über Hühner in Ornithologiae Libri XIV. – De Gallinis Pataunis, berichtet er, das durch den ital. Arzt und Astronom Dondi del`Orologio erste Exemplare von Polverara Hühner aus Polen nach Italien kamen. Auch B. Düringen verweist in seinem Werk auf die Abstammung aus dem Osten. Laut Düringen sollen die Hühner schon im 14. Jahrhundert in Deutschland bekannt gewesen sein. Und wie schon erwähnt berufen sich dann auch weitere Autoren der „Jetzt-Zeit“ auf diese Hypothesen.

Aber ich will mich nicht auf Quellen verlassen, die sich auf andere erlassen hatten, sondern ich möchte einmal die neuesten Ergebnisse archäozoologischer Befunde berücksichtigen und somit etlichen nichtbelegbaren Behauptungen der so genannten Experten klar widersprechen!


Papyrus Artemidor, datiert um 10 n Chr., aus Alexandria
Diese wissenschaftlichen Befunde zeigen uns die bis dato ältesten schriftlichen Aufzeichnungen, die auf dem Papyrus Artemidor, datiert um 10 n Chr., aus dem ägyptischen Alexandria stammen. Auf dem Papyrus ist ein schlanker, hochläufiger Haushahn, hoch aufgerichtet, in der norma lateralis nach links blickend. Er trägt deutlich sichtbar statt des Kamms eine Federhaube und wird als „korakos“ für die rabenschwarze Farbe des Gefieders bezeichnet [Prof. Dr. Ragnar Kinzelbach 2009, Uni Rostock]. Haubenhühner waren anscheinend schon immer eine Kostbarkeit und nur wenige antike Belege sind im weiteren Verlauf der Geschichte durch archäologische Funde von Schädelknochen belegbar.

Schädelknochen aus der Ausgrabung von Trier um 394 n. Chr
Zu den seltenen Fundstellen zählt u.a. ein neu identifizierter Schädelknochen aus dem Serapeion in Mainz um 80 n. Chr. sowie aus West Hill, ein engl. Tempelbau der Römer in Südengland bei Uley aus dem Jahr 350 n. Chr. [Brothwll 1979], in Deutschland vermutlich ebenfalls als ein Opfertier aus dem römischen Trier ca. 394 n. Chr. [Teegen 2007].

Ein weiteres sehr interessantes Artefakt über Haubenhühner befindet sich im „Il Museo Pio Clementino“ – Vatikan Museum Rom, das eine Statue eines Haubenhuhnhahns aus dem 1-4 Jahrh. n. Chr. zeigt (G.Spinola/Archiv LH, NL). Da sich Hühnerknochen über die Jahrhunderte nicht gut erhalten, aber diese vermehrte Ansammlung von Funden aus dem Zeitraum um ca. 300 n. Chr., widerlegt für mich etliche alte Thesen über die Herkunft unserer Paduaner.

Statue eines Haubenhuhnhahns aus dem 1-4 Jahrh. n. Chr. zeigt (G.Spinola/Archiv LH, NL)

Haubenhühner gab es also schon lange vor Aldrovandi und waren wohl auch nicht nur eine örtliche Mutation im damaligen Russland. Erste Ururahnen – ob als zufällige Mutation – sind demnach schon gleich zu Beginn unserer Zeitrechnung in Erscheinung getreten und waren schon im 3./4. Jahrhundert über weite Teile Europas verbreitet. Warum sie aber die nächsten Jahrhunderte nicht in Erscheinung traten und erst fast wieder 1000 Jahre später vermehrt auftraten, bedarf noch einer zukünftigen Klärung. Es gibt noch weitere Funde aus Abfallgruben, von Skelettköpfen im spätmittelalterlichen Rostock und Magdeburg [Kinzelbach 2010]. Interessanterweise ergab ein Vergleich von Prof. Dr. Kinzelbach, dem ein mir befreundeter Paduanerzüchter einen Schädelknochen eines heutigen Paduanerhahns zur Verfügung stellte, dass die Skelettknochen aus Magdeburg bzw. Rostock identisch sind mit den heutigen Schädelknochen. Auch aus Stadtkerngrabungen in Göttingen (datiert Anfang 15 Jahrh.) und Höxter (dat. Anfang 17 Jahrh.) fand man unter den Hühnerknochen der Abfallgruben [8. Arbeitstreffen der Osteologen, Konstanz 1993], je einen besonders herausragenden Schädelknochen mit den blasig aufgetriebenen, dünnwandigen und porösen Merkmalen der Protuberanz. Ein weiterer Schädelknochen der Göttinger Funde weist eine geringere Penetranz der Vorwölbung auf was auf eine variable Penetranz dieses Merkmals hindeutet. Auch in Braunschweig wurde bei Ausgrabungen ein Schädelknochen mit dem typischen Merkmal der Haubenhühner gefunden. Sehr interessant ist die Datierung des Braunschweiger Knochens auf Anfang des 14. Jahrhunderts [Oehlmann 1989,277]. Im weiteren Verlauf gibt es dann die von vielen Autoren bereits genannten div. Gemälde z.T. Vorfahren unserer Haubenhühner -wirklich schon sehr alt und- es ist für mich eher unwahrscheinlich, dass die Haubenhühner aufgrund von zig lokalen Mutationen entstanden. Ob die Zucht damals schon planmäßig betrieben wurde oder nur rein zufällig erfolgte, ist nach beiden Seiten rein spekulativ. Jedoch wurde schon bei den alten Ägyptern systematische Tierhaltung betrieben.

Was ich persönlich, auch aufgrund meiner heutigen Erfahrungen für eher wahrscheinlich halte, ist das in verschiedenen Epochen Haubenhühner aus dem persischen – indischen Raum in die div. Länder Europas kamen. Dort aber in Vergessenheit gerieten und nur auf einigen wenigen Gehöften gehalten wurden. Als Beispiel kann ich hier nur die Eulenbart (Mohrenköpfe) Hühner anführen, die als ausgestorben galten, bis sie zufällig bei einem Landwirt in Nordholland wiederentdeckt wurden, der sie zum Verkauf angeboten hatte.

Ein Beitrag von Erich Arnold
Herzlichen Dank für den interesanten Beitrag und das anschauliche Bildmaterial.
 

Freitag, 17. März 2017

Reinweiß ist das Ziel

Weiße Paduaner und der "gelbe Anflug"
Im letzten Jahr habe ich mit der Zucht der seltenen, obwohl wunderschönen, weißen Paduaner begonnen.
Da dieser Farbschlag große Probleme mit dem sogenannten "gelben Anflug " im Schmuckgefieder hat, möchte ich versuchen, diesen Fehler durch die Einkreuzung einer Fremdrasse zu bekämpfen.

Gelber Anflug ist bei weissen Rassen nicht selten, allerdings besonders bei Ausstellungstieren unerwünscht.


Bei den weißen Paduanern tritt die Gelbverfärbung des Schmuckgefieders während der letzten Jungtiermauser auf, wenn die Tiere in bzw. ab diesem Alter im Freiland gehalten werden. Sonne und Regen sind die Ursache für diesen Makel. Besonders betroffen sind die Hähne, aber auch Hennen sind dann nicht mehr reinweiß. Eventuell ist auch die Fütterung an der Verfärbung beteiligt. Carotin im Futter sorgt ja auch bei anderen Rassen für ähnliche Probleme.

Wenn man wirklich weiße Paduaner ausstellen möchte, ist man bisher gezwungen, diese ab einem bestimmten Alter nicht mehr der Witterung auszusetzen. Sie müssten im Stall bzw. in überdachten Volieren untergebracht werden. Da ich für meine Tiere aber eine Freilandhaltung bevorzuge, nehme ich bisher eine schlechte Bewertung wegen des gelben Gefieders in Kauf. Ärgern tut es mich aber trotzdem und ehrlich gesagt, würden mir wirklich weiße Paduaner noch besser gefallen.

Im Jungtieralter noch reinweiss, zeigt der Hahn zur Ausstellungssaison starken gelben Anflug


Von einem Zuchtfreund bekam ich eine ältere weiße Holländer Weißhauben-Henne. Sie besitzt trotz ganzjähriger Freilandhaltung schneeweißes Gefieder. Deshalb denke ich, dass sie mir helfen kann, die Paduaner in dieser Hinsicht zu verbessern.

Da dies meine erste Fremdeinkreuzung in der Hühnerzucht ist und mir generell züchterische Erfahrung fehlt, würde ich mich über Tipps von anderen Züchtern zu diesem Thema freuen.

Unabhängig von der genetischen Veranlagung werde ich in diesem Jahr meine Jungtiere mit Futter für weiße Rassen aufziehen und so den Einfluss des Carotins ausschließen können.

Ein Beitrag von Heike Grimm


Genau hinschauen und Ursachen ergründen
ist der erste Schritt zum reinweißen Gefieder

Gelber Anflug tritt besonders auffällig im Schmuckgefieder in Erscheinung. Hier kommen wie von Heike berichtet verschiedene Ursachen in Frage. Sonneneinstrahlung und auch carotinhaltiges Futter haben hier nicht zu unterschätzende Auswirkungen.

Die Erbfaktoren nehmen jedoch auch einen erheblichen Einfluss auf die farbliche Ausprägung des Gefieders. Eine Möglichkeit ist hier, dass der verdeckt vorhandene Wildfaktor als gelber Anflug in Erscheinung tritt.

Es empfiehlt sich bereits beim Schlupf genauer hinzuschauen, um eine Einschätzung und auch Erkenntnisse für spätere Zuchttierauswahl zu gewinnen.
Bei weißen Nachzuchten schlüpfen teilweise Küken mit grauem Schleier im Flaumgefieder, welche mit gelblichem Schimmer und silberweiße. Es ist hilfreich hierzu genaue Kennzeichnungen vorzunehmen..
Die silberweißen Küken sind klar im Hinblick auf reinweißes Gefieder zu bevorzugen.
Durch konsequentes Selektieren dieser Tiere für die Zucht kann man sich dann mit der Zeit reinweiße Linien aufbauen und den gelblichen Anflug im Erscheinungsbild verdrängen .


Viel Erfolg bei deiner Zucht liebe Heike und natürlich freuen wir uns über deine Erfahrungsberichte.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Die gesäumten Paduaner

Farbschläge für Züchter mit guter Beobachtung und Fingerspitzengefühl
Es ist erstaunlich: Die Rasse Paduaner ist schon über 600 Jahre alt und fasziniert seither durch ihren besonderen Ausdruck und ihr einnehmendes Wesen.

Auch nach so langer Zeit sind die Paduaner immer noch so vital wie eh und je und das dürfte auch der Grund sein, dass sie zwar etliche Krisen durchgemacht haben, aber auch immer wieder zu neuen Höhepunkten ihrer langen Geschichte gelangt sind. Seit etwa 20 Jahren ist deutlich geworden, dass die Paduanerzucht erfreulicher Weise wieder mehr Freunde gewinnt, und die Rasse sich so weiterentwickeln kann.
Um 1900 waren die Paduanerzüchter auf die Linie zur heutigen Zuchtrichtung eingeschwenkt. Damals waren die Hauben noch nicht so kugelförmig wie heute, und oft auch noch gescheitelt.
Insbesondere die Hähne zeigten noch ungeordnete, strahlenförmige Hauben. Bei ihnen waren meistens noch Kammhörner bzw. wulstige Fleischauswüchse vor der Haube zu finden, was bis heute vorkommt. Vor dem Hintergrund, dass Tiere mit Kammansatz von jeher zu den vitalsten gehören, sollte solche Nebensächlichkeiten –sofern sie geringer Natur sind- nicht überbewertet werden.



Die Paduaner sind mittelgroß, leicht gebaut, zeigen sich in Landhuhnform mit kecker, aufrechter Haltung, mittelhohem Stand, voller Rundhaube und dichtem Bart sowie gut entwickeltem, glatt anliegendem Gefieder. Dazu sind sie von ruhigem zutraulichem Wesen.

Die gesäumten Farbenschläge
Bei den Paduanern sind gleich vier gesäumte Farbschläge anerkannt: Silber-Schwarzgesäumt, Gold-Schwarzgesäumt, Chamois-Weißgesäumt und Blaugesäumt.

Unter Säumung versteht man eine Zeichnung, bei der die Feder, vollständig von einem andersfarbigen Saum eingefasst ist. Dieser soll möglichst gleichmäßig breit -nicht zu schmal, aber auch nicht zu breit- sein. In idealer Ausprägung ist der Saum bei den meisten Rassen, wie auch bei den Paduanern von intensiver Farbe. 


Die Gold-schwarzgesäumten Paduaner zeigen ein gold-ockerfarbiges, ovales Zentrum in der Feder, versehen mit einer schwarzen Säumung. Beim Farbenschlag Chamois-Weißgesäumt finden wir statt dem braun, ein ledergelb mit weißer oder cremefarbiger Säumung, bei den silber-Schwarzgesäumten ein rein weißes Zentrum mit einer schwarzen Säumung und bei den blaugesäumten ein taubenblaues Zentrum mit dunkelblauer Säumung.

Sehr häufige Fehler bei den gesäumten Farbausprägungen sind Ruß, Moos, Pfeffer und Vorsaum. Die Zeichnung greift in Form von Sprenkeln und Flecken in das Zentrum über. Ein weiter grober Fehler ist die Halbmondsäumung bzw. Hufeisenzeichnung oder Tropfen. Man versteht darunter eine Verdickung an der Federspitze. Ebenso als Fehler zu bewerten ist eine Doppelsäumung, bei der die Saumzeichnung in der Feder wieder kehrt. 

Qualität erkennen und gezielt selektieren für die Zucht
Für eine geeignete Zuchttierauswahl ist ein guter Brustsaum der bis in die Unterbrust reichen sollte, ein wichtiges Kriterium. Beim Hahn ist insbesondere auch auf möglichst saubere Binden zu achten um die wertvollsten Tiere für die Zucht zu selektieren. Gut gesäumte Schwanzdeckfedern und Sicheln sind meist vorhanden, doch darauf zu achten ist ebenso empfehlenswert. 








Der Saum der Haube -am besten sichtbar- steht mit dem übrigen Gefieder in Zusammenhang. Zeigen Hähne und auch Hennen einen Vorsaum, so wird die Haube auch Vorsaum zeigen. Zu dunkle Brust und Schenkel sowie schwerer (breiter) Saum zeigen sich fast immer in Verbindung mit schlecht gezeichneten, fast zu farbigen Hauben und Schwänzen der Hähne. Das Verlockende an der gesäumten Paduanerzucht ist, dass man die Farbschläge“ Gold“ und „Silber“ bzw. „ Gold“ und „Chamois“ miteinander verpaaren kann. “Chamois“ mit „Silber“ verpaart ergibt dagegen farblich unbrauchbare Nachzucht. Diese Verpaarungen muss man aber überlegt vornehmen, denn sie bergen Gefahren in sich. Während man die Chamoisfarbe mit „Gold“ aufbessern kann, bringen die „Goldenen“ den „ Silbernen“ verstärkt gelben Anflug.

„Goldene“ lassen in der Intensität der Zeichnungsfarbe nach und werden lehmig, wenn man sie mit „Silber“ verpaart. Kreuzt man einen „Goldenen“ Hahn mit einer „Silbernen“ Henne, erhält man sofort „Goldene“ Hennen, während die Hähne eine unreine Silberfarbe haben und nach beiden Seiten verwendbar sind. Verpaart man reinerbige chamois-weißgesäumte Paduaner mit goldschwarzgesäumten, bekommt man nur chamois-weißgesäumte Tiere, denn „Chamois“ Paduaner besitzen Erbfaktoren, die das Schwarz, das unter dem Rahmweiß vorhanden ist, verdrängen. Diese Tiere sind aber alle spalterbig für „Gold-Schwarzgesäumt“. Verpaart man sie untereinander erhält man 75 Prozent Chamois-weißgesäumte und 25 Prozent gold-schwarzgesäumte Nachzucht. Die Paarung eines spalterbig chamois-weißgesäumten mit einem Gold-schwarzgesäumten ergibt 50 Prozent spalterbige Chamois- Weiß-gesäumte und 50 Prozent reinerbig gold-schwarzgesäumte Nachkommen. „Goldene“ Tiere, die von spalterbigen Chamois-oder Silberpaduanern fallen, sind fast ausnahmslos Hennen.



Die gesäumten Farbschläge der Paduanerhühner sind zweifelsohne echte „Hingucker“ und dazu sehr spannend in der Zucht. Sie bergen jedoch auch einiges an Herausforderungen für den Züchter. Idealismus und dazu etwas Fingerspitzengefühl sollte ein Paduanerzüchter mitbringen, um mit dieser alten, außergewöhnlichen Kulturrasse Erfolge zu erringen.

Ein Beitrag von Jürgen Käs