Dienstag, 12. Januar 2016

Mohrenköpfe

Eulenbarthühner mit aparter, anspruchsvoller Zeichnung
Verhältmäßig spät wurden die Eulenbarthühner (niederländisch Uilebbarden) in Deutschland bekannt. Zu ihrer Anerkennung und Aufnahme in den deutschen Standard kam es 1979. Zunächst nur zögerlich traten sie bei unseren Ausstellungen in Erscheinung.

Glücklicherweise hat sich dies inzwischen geändert. Mit ihrem vermehrten Auftreten- auch bei Großschauen wurden sie zu einer geschätzten Bereicherung. In ihrer breiten Farbpalette bescherten sie uns etwas Überragendes: die Mohrenköpfe, ein Begriff, der uns bislang nur aus der Taubenwelt bekannt war.


„Meine erste direkte Begegnung mit diesen Hühnern hatte ich bei einer Ausstellung in Kemnat bei unserem unvergessenen Zuchtfreund Roland Weber, einem Kenner der Niederländischen Rassen. Die Farbgebung wirkte auf mich fremdartig. Sie hatten etwas Aufregendes, ganz Bizzares an sich. Bei keiner anderen Hühnerrasse ist uns dieses Zeichnungsbild bekannt. Sicherlich wären diese Mohrenkopf-Eulenbärte weiter verbreitet, hätte ihre Zucht nicht die Schwierigkeiten eines Balanceaktes.“


Wo und wann ist diese aparte Zeichnungsart entstanden?
Wir wissen es nicht. Der große Förderer der niederländischen Hühnerrassen, R. Houwink in Meppel, erfasste die verstreuten Reste einigermaßen reinerbiger Eulenbarthühner und übergab sie 1900 der Obhut des von ihm gegründeten Nederlandse Hoenderclub.

Houwink züchtete selbst auch Eulenbarthühner und- in diesem Zusammenhang besonders interessant- auch Schwarzhaubenhühner. Aus seinen züchterischen Bemühungen gibt es die ersten Aufzeichnungen über „Mohrenkoppen“. Frau van Andrichen Boogaerd, die Tochter des bekannten Genetikers Dr. Vriesendorp, war im Begriff diese „Erstausgabe“ züchterisch zu rekonstruieren. Es sollte jedoch nicht mehr sein. Der der Tod war schneller.

Als Roland Weber in den Achtzigerjahren die ausgestorbenen gesprenkelten Eulenbärte wieder erzüchtete, hatte er genauso gezeichnete Tiere. Er verwendete dabei gold-schwarzgetupfte Eulenbarthühner und Gold-Brakel (danach Silber-Brakel). Sein größtes Problem sah er in der Verdrängung der Schwarzzeichnung aus Kopf und Bart. Da die Bartfarbe immer als Zeichnungsfarbe gilt und bei den Gold-Schwarzgetupften folgerichtig schwarz ist, sah er kaum die Möglichkeit zu einer standardgemäß Gold- oder Silberfarbe in Kopf und Bartbereich zu kommen. Namhafte Genetiker rieten ihm, eine Standardänderung zu beantragen.
Als er sich damit abgefunden hatte und im Begriff war diesen Schritt zu tun, kam zu seiner Überraschung der nicht mehr erwartete züchterische Durchbruch. Kopf und Bart der Sprenkel wurden frei von schwarzen Farbanteilen. Ein nicht eingeplantes Zwischenprodukt waren gold-schwarz, gesprenkelte Mohrenkopf-Eulenbarthühner. Nun mit Mohrenköpfen hatte er damals nichts am Hut. Von dieser Houwink-Züchtung war ihm ohnehin nichts bekannt. Er fand diese Tiere reizvoll und bedauerte sich von ihnen trennen zu müssen. Schade drum! Etwa zur gleichen Zeit rief Cornelius van der Heuvel in der niederländischen Fachpresse dazu auf, alles zu unternehmen, die Mohrenköpfe zu erhalten. Für eine etwaige Wiedererzüchtung empfahl er, weiße oder silberschwarzgetupfte Eulenbarthühner mit Holländer Schwarzhauben zu verpaaren. Später korrigierte ihn Frau van Andrich Boogaerd. Sie berichtete ihm, dass in ihrer Schwarzhaubenzucht immer wieder Mohrenköpfe fallen würden, wobei natürlich die Probleme bei Hörnerkamm und Bartbildung (beides soll Schwarzhauben fehlen) lagen. Diese Nachricht bestätigte seine Vermutung, dass weiße Mohrenkopf-Eulenbärte als Nebenprodukte der Schwarzhaubenzucht entstanden sein könnten.

Nun Mohrenköpfe waren plötzlich wieder da, auch bei uns in Deutschland und mit welch beeindruckenden Exemplaren!


Die beiden Farbenschläge (Weiß-und Goldbraun) etablierten sich, wenn auch auf schmaler Basis. Weiter sind blaue Mohrenköpfe anerkannt. Blaue Mohrenköpfe tauchen gelegentlich als Einzelexemplare auf. Eine gefestigte Zucht ist mir nicht bekannt.

Mohrenkopf-Eulenbärte eine Hennenzucht?
Die Zucht der Mohrenkopf-Eulenbärte ist wohl eine Hennenzucht. Die Musterbeschreibung drückt sich hier etwas lapidar aus. Bei dieser eigenwilligen Zeichnung gibt es nichts Perfektes. Rumpf und Schwanz sind kaum einmal frei von schwarzen Farbeinlagerungen. Etwas Zeichnung an den Schenkeln und an der Oberbrust ist das Normale. Der farbliche Übergang vom Schwarzbereich des Kopfes und Oberhalses zur Grundfarbe des Hals- und Rumpfgefieders ist etwas fließend, also kein konturenhafter Abschluss. Es ist wichtig, dass der Bart satt schwarz durchgefärbt ist. Die Zuchtpartner müssen gut zusammenpassen, denn die Zeichnung kippt ebenso leicht in den hellen Bereich mit grauen statt schwarzen Köpfen oder in den dunklen, überzeichneten. So fallen zum Beispiel bei den weißen Mohrenkopf-Eulenbarthühnern u.a. solche Küken, die zunächst weiß erscheinen, aber nach einiger Zeit eine farbige Kopfzeichnung erkennen lassen. Der Zuchtanfänger vermutet dies gebe die richtigen Ausstellungstiere. Sie werden aber nicht richtig gefärbt, da die Entfärbung im Kopf und Bart nur etwas Grau bringt. Anderseits gibt es auch schwarze Küken. Sie hellen zumeist zunehmend ein wenig auf, aber bleiben zu dunkel, überzeichnet. Dagegen werden die blaugrauen Küken nach meinen Erfahrungen die besten Ausstellungs-Mohrenköpfe. Bei ihnen ist die Grundfarbe zunächst blaugrau. Bei den Federwechseln bis hin zum Endgefieder vollzieht sich ein Umfärbungsprozess, bei dem das Rumpf- und Schwanzgefieder weiß aufhellt, das Kopfgefieder aber schwarz wird. Eine endgültige Selektion ist erst spät möglich. Die manchmal durchstoßende Grundfarbe erscheint bei den goldbraunen Mohrenköpfen im Schwanzbereich als helle Säumung, am Brustübergang wie ein kleines Farbspiel von „Blaugold„. Merkwürdig ist, dass in der anfallenden Skala von Schwarzzeichnungen sowohl bei Mohrenkopf-Eulenbärten als auch bei Schwarzhaubenhühnern Tiere mit einer groben Sprenkelung fallen. Es ist auch wichtig zu wissen, dass Alttiere zum Auftreten schwarzer Zeichnung auf Schultern und Flügelbug neigen.



Im Heimatland der Rasse wird dies bei der Bewertung in angemessenem Maße berücksichtigt. Ein echtes Problem sind die Hähne. Der Bart stellt hier den zentralen Farb- bzw. Zeichnungsbereich dar. Wichtig ist seine satte Durchfärbung. Tiefschwarze Kopf- u. Bartfarbe sind bei den Hähnen selten. Ist sie mal gegeben, so treten zumeist Schwarzfärbungen im Sattelbehang und Schwanzbereich auf oder der Hahn ist hennenfiedrig. Das ist beinahe die Regel. Hennenfiedrigkeit des Hahnes bei guter Farbe: wir kennen die Gründe nicht und können uns die Zusammenhänge nicht erklären. Diese Tatsache hat in Holland zu ernsthaften Überlegungen geführt, die Hähne bei der Bewertung auch in hennenfiedriger Variante zuzulassen. Schließlich hat bei einer Ausstellung eine reine Hennenkollektion weit weniger Wirkung, als eine Präsentation mit wenigstens einem Hahn. Ich selbst hatte das Glück, hin und wieder einen halbwegs standardgerechten Hahn zu züchten.

„Wie schön wirkt doch so eine Herde Mohrenkopf-Eulenbarthühner in einem Grasauslauf bzw. auf einer Wiese.“

Im niederländischen Standard sind die Farbenschläge, weiß, goldbraun und goldgelb anerkannt, blaue Mohrenköpfe sind nicht aufgeführt. Denn der Farbkontrast wäre wohl zu gering, was man im Deutschen-Standard nicht so sieht, bei den goldgelben sieht es nicht besser aus, Hand aufs Herz wer hat schon mal einen gelben Mohren gesehen.

Ein Fachbeitrag und Erfahrungsbericht von Jürgen Käs

Ein herzliches Dankeschön für den sehr informativen Artikel.

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